Geschichte des Verein Ressource

Die ersten nachweisbaren Ansätze der „Ressource“ fallen in die Regierungszeit des Fürsten Leopold II, regierender Fürst von 1820 bis 1851.

Nach den Akten des Stadtarchivs, Detmold, tagte die „Ressourcen-Gesellschaft“ zunächst nur als eine festgefügte Stammtischrunde in der C. F. Seiffschen Gaststätte – Neustadt 6.

Die schnell steigende Mitgliederzahl machte es nötig, sich um größere und vor allem abgeschlossene Räume zu bemühen. Diese wurden zunächst in dem 1828 in Angriff genommenen Neubau des Detmolder Rathauses gefunden. Das Stadtverordnetenkolleg übergab der „Interessengemeinschaft Ressource“ die ganze Belle Etage und weitere Teile des geräumig aufgezogenen Rathausneubaus. Mit dem am 28. September 1831 abgeschlossenen Pachtvertrag erwarb somit die „Ressourcen-Gesellschaft“ das Recht, in gemieteten, aber dennoch eigenen Räumen des Rathauses dem satzungsgemäßen Vereinszweck, nämlich „…dem geselligen Verkehr seiner Mitglieder…“ zu wirken.

Was verstanden die Gründungsväter unter – wie eine spätere Satzung es beschrieb - geselliger Unterhaltung ihrer Mitglieder?

Dazu ein Auszug aus der Broschüre „Die Ressource zu Detmold“ vom Juni 1954.

„Das Leben innerhalb der Ressource spiegelte …in ganz besonderem Maß das bürgerliche Leben der Stadt wieder. Der gesellige Verkehr im Hause war vielleicht etwas steif, im übrigen aber abwechslungsreich und angesichts der Behörden, der Hofverwaltung, des Militärs sowie von Vertretern des Theaters, der Hofkapelle und der verschiedensten freien Künste (z. B. Grabbe, Lortzing, Brahms, Malvida von Meysenburg, Th. Althaus) oder der Kulturinstitute und Schulen auch für jedermann interessant und anregend.“

Am 12. Januar 1872 sind dem Verein „Ressource“, durch Bekanntmachung des „Fürstlichen Cabinets-Ministerium“, die Rechte einer juristischen Person verliehen worden.
Das wurde notwendig, um den Kauf eines Grundstückes zwecks Errichtung eines eigenen Vereinshauses, realisieren zu können.
 Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. Juli 1872, das Richtfest am 21. Dezember desselben Jahres. Am 7. April 1874 fand die erste Generalversammlung im eigenen Hause statt.

Schlimmes ereignete sich am 26. September 1883. Das Vereinshaus der „Ressource“ wurde Opfer einer verheerenden Brandkatastrophe. Das ganze massive Gebäude brannte bis auf die Mauern des Souterrains nieder.
Mit dem Wiederaufbau wurde der Detmolder Baumeister Petri beauftragt. Am 5. Juli 1884 konnten das Erdgeschoß und am 16. September desselben Jahres die oberen Räume des wieder errichteten Baues dem Verkehr übergeben werden.

Schwierige Zeiten brachten die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Die Inflationszeit wirkte sich ebenfalls ungünstig auf das Vereinsleben aus.
Zu Beginn der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war der Vereinszweck stark gefährdet, sodaß der Ressourcenvorstand sich mit der Frage beschäftigte, den Verein aufzulösen.
Durch zufälliges und glückliches Zusammentreffen verschiedener Umstände gelang es, das inzwischen auch zu einer finanziellen Last gewordene Haus An der Ameide der Wehrmacht zu verkaufen. Von dem Gegenwert erwarb der Verein im Jahr 1935 das Anwesen „Allee 11“ von Frau v. Wilczek . Der Wechsel hatte zur Folge, daß der Verein, statt des mit 90.000 RM belasteten Hauses An der Ameide, nunmehr ein unbelastetes Haus an der Allee 11 besaß.

Im Zweiten Weltkrieg ging das Vereinsleben immer weiter zurück. Zahlreiche Vereinsmitglieder wurden zur Wehrmacht eingezogen. Im Jahr 1943 wurde das Haus beschlagnahmt und für Wohnzwecke in Anspruch genommen.
Nach dem Krieg kam das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Das Haus wurde von der Besatzungsmacht beschlagnahmt. Nach seiner Freigabe wurde es der Landesbrandversicherungsanstalt zur Verfügung gestellt.

Ende 1946 begann eine kleiner Kreis treuer Mitglieder mit der Wiederaufnahme des Vereinslebens. Endlich, im Herbst 1951, war mit der Räumung des Hauses durch die Landesbrandversicherungsanstalt der „Verein Ressource“ wieder Herr in seinem Eigentum.

Mit frischem Elan besann der Verein sich wieder auf sein Satzungsziel
„…dem geselligen Verkehr seiner Mitglieder zu dienen…“

Quelle:
1. Die Ressource zu Detmold“, Vereinsgeschichte v. Juni 1954
Hanns Peter Fink „Aus der Geschichte der Ressource zu Detmold“, v. November 2000

Moderne Firma in historischem Ambiente Allee 11

Passanten, Flaneuren, Spaziergängern und Nachbarn fällt abends in der Allee Nr. 11, im Hause der Gesellschaft „Ressource“, seit längerem ein von innen beleuchtetes Obergeschoss auf. Die Sicht durch die Fenster wird belohnt mit dem Anblick stilvoller nostalgischer Räume, welche mit Täfelungen, Türfassungen und Holzdecken in der Form des Historismus sowie herrlichen antiken Öfen und altehrwürdigen Wasserbecken ausgestattet sind. 

Das erwähnte Gebäude ist unter der Nr. 356 in die Liste der Baudenkmale eingetragen und wird dort wie folgt beschrieben:

„…Es handelt sich um einen zweigeschossigen, fünfachsigen Massivbau in Traufenstellung mit niedrigem Kellergeschosssockel und mit Schablonenschiefer gedecktem Walmdach. Die Fassaden mit feinem Quaderputz; zur Straße 2-achsiger, übergiebelter Mittelrisalit mit Pilastergliederung; hier die Brüstung im EG und der Sturz im OG mit Stuckornamenten. Im OG des Risalits gute gegossene Brüstungsgitter. Die Fenstereinfassungen und Gesimse profiliert, die Faschen mit gekröpften Ecken, im OG die Fenster mit waagerechter Verdachung. Links hölzerner Wintergarten, 1896 als offene Veranda erbaut, 1911 mit Fenstern geschlossen. Rechts 2 hintereinander angeordnete geschmiedete Hoftore. Dazwischen der Hauseingang mit schwerer Eichentüre und großer, schmiedeeiserner Laterne…

… Dieser hervorragende Solitärbau des späten Klassizismus ist…in der Reihe der großbürgerlichen, vorstädtischen Häuser am Friedentaler Kanal gegenüber der barocken Neustadt errichtet worden. Seit 1935 Sitz der 1825 gegründeten „Ressource“, die in der Detmolder Gesellschaft eine besondere Rolle spielt…“

Die noblen Bauwerke der Allee insgesamt bilden ein in sich geschlossenes stadtgeschichtliches Ensemble, wobei mit dem Gebäude Nr. 1 von Fürstin Pauline im Jahre 1818 ein Anstoß gegeben wurde; die übrigen Häuser klassizistisch – biedermeierlicher Prägung entstanden in den Jahren 1820 bis 1850. Über die eigentliche Errichtung der Häuser sind die Nachweise spärlich; Gerüchte behaupten, ein städtischer Bediensteter habe die damaligen Unterlagen des frühen  Bauwesen später an die Papiermühle in Berlebeck abgegeben. Jedenfalls beginnen die städtischen Bauunterlagen erst mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Das Haus in der Allee 11 selbst ist nach einer privaten Chronik im Sommer 1841 errichtet worden und hat eine eindruckvolle Geschichte. Es wurde (unter der alten Bezeichnung Quartier C 137, später Allee 6, später Neustadt 11) im Jahre 1845 erstmals in das Steuerkataster der Stadt Detmold eingetragen. Bauherr war der angesehene Hofapotheker und Particular Ernst Kaiser (Keiser), über den Architekten lassen sich aus den erwähnten Gründen  keine Angaben ermitteln. Im Jahre 1867 erwarb der Rittergutsbesitzer Theodor Caesar das Anwesen, welches 22 Jahre später in das Eigentum des Rentiers Albert Krohn überging. Dieser Eigentümer entstammte ebenfalls einer alten Familie des lippeschen Großbürgertums und hatte vorher als Kaufmann in New York gelebt. Die Tochter Elsa Krohn bezog nach dem Ersten Weltkrieg das Obergeschoss und heiratete den später im Jahre 1939 gefallenen Major Kuno v. Wilczek; das Erdgeschoss war damals  an einen Major Reinshagen vermietet.   

Im Jahre 1935 erwarb die Detmolder Gesellschaft der „Ressource“ das Anwesen von Elsa v. Wilczek und ließ den Festsaal anbauen sowie verschiedene kleinere Umbauten vornehmen.

Die Gesellschaft der „Ressource“ entstand aus der Detmolder Bürgerschaft im Jahre 1825 als Zusammenschluss für Kultur, Bildung, gepflegte Geselligkeit sowie Teilhabe am gesellschaftspolitischen Geschehen. Man traf sich zunächst in verschiedenen Gaststätten. Als 1831 das neue (heutige) Rathaus erbaut worden war, ergab sich die Möglichkeit einer Anmietung des Obergeschosses durch die „Ressource“. Die Verwaltungsräume der Stadt befanden sich nämlich damals nur im Erdgeschoss.  

Es wurden verschiedene Räume zum Lesen zahlreicher Zeitungen und Zeitschriften, zum Spielen (Billard) und für Diskussionen und gesellige Veranstaltungen eingerichtet. Der Verein vergrößerte seine Mitgliederzahl und war nicht nur ein bedeutender Gewinn für das kulturelle Geschehen und die geistige Förderung der Detmolder Bürger, sondern bewegte auch das politische Leben in der Residenzstadt; manchem standesbewussten Konservativen galt die „Ressource“ im damaligen Vormärz gar als revolutionär.    

Die Vereinsmitglieder konnten dann 40 Jahre später die nötigen Finanzmittel aufbringen, um in der Detmolder Ameide (offiziell: Bismarckstraße 4) einen eigenen, sehr repräsentativen Neubau zu errichten, welcher über viele recht attraktive Gesellschafträume und Gastronomiebereiche verfügte.
In diesen Mauern ist heute ein Teil des Lippischen Landesmuseums untergebracht.

„Höchstlandesherrlich“ wurden der Ressourcen-Gesellschaft am 20.01.1872 vom „Fürstlichen Cabinets-Ministerium“ die Rechte einer Juristischen Person verliehen.

Bis in das Jahr 1930 konnte die Gesellschaft der „Ressource“ eine erfreuliche Entwicklung verzeichnen, doch seit dem Jahre 1933 begann ein zunehmender Mitgliederschwund. In den Augen der neuen NS-Machthaber galten nämlich plötzlich bürgerliche Tugenden und Verhaltenweisen als antiquiert, überholt und reaktionär.

Die Mitglieder der „Ressource“ bewahrten sich nämlich eben stets einen unabhängigen und unvoreingenommenen Standpunkt, was bis in den heutigen Tag gilt. So sind aus den Mitgliedern der „Ressource“ zahlreiche Persönlichkeiten hervor gegangen, welche in Lippe, in Nordrhein-Westfalen oder auch in Deutschland als Künstler, Geistesgrößen oder Leistungsträger zu beachtlichem Ansehen gelangt sind.

Aus den Gründen einer gewissen politischen Indifferenz gegenüber der „Machtergreifung“  musste das an sich prächtige bisherige Haus an der Ameide  im Jahre 1935 verkauft und der Umzug in das jetzige Haus Allee Nr. 11 vollzogen werden. Dort hielt man – nach den erwähnten Um- und Erweiterungsbauten - zunächst an den bisherigen Zielen und Gepflogenheiten in etwas bescheidenerem Rahmen fest.

Doch in den bald folgenden Kriegs- und Nachkriegszeiten musste dieses Gebäude, wie auch jedes andere Haus in dieser Zeit, für Notmaßnahmen heran gezogen werden. Zunächst wurden in den Räumen evakuierte und ausgebombte Familien untergebracht. Nach Kriegsende war das Anwesen für einige Zeit von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und musste danach dem Arbeitsamt und der Lippischen Landesbrandversicherungsanstalt zur Verfügung stehen.
Später wurde das Obergeschoss an den Verband der Holzverarbeitenden Industrie sowie an den Arbeitgeberverband vermietet und auch die Detmolder Hochschule für Musik probte und übte vorübergehend in einem Teil der Räume.

Nach einer eingehenden Renovierung, bei welcher einerseits der Einbau modernster Technik und andererseits die Rücksicht auf denkmalpflegerische Belange in einer glücklichen Synthese beachtet werden konnten, stehen seit einiger Zeit die Räume im Obergeschoss mit ihrem herrlichen Interieur für Mietinteressenten zur Verfügung.

(Michael Eggers)

Quellen:

Bauamt Stadt Detmold:
Einblick in die Bauakten des Grundstücks Detmold Allee 11
Baudenkmale:
Liste der Baudenkmale der Stadt Detmold, Beschreibung zu Baudenkmal Nr. 356
Budde, Frank:
Holz und Historismus, Der Zimmermeister Wilhelm Schmidt und seine Bauten in Detmold, Detmold, 2005
Emmighausen, Johann Christian Ludwig, Regierungspedell:
Chronik 1779 – 1883
Fink, Hanns – Peter:
Aus der Geschichte der Ressource zu Detmold, Detmold, 2000
Fink, Hanns – Peter:  
Die Familie des Hauptmanns August v. Donop, Bielefeld, 1994
Heuger, Clemens, Stadterneuerung und Denkmalschutz der Stadt Detmold :
Schreiben vom 29.11.2007
Kirchhof, Bruno, Regierungsdirektor a.D. und Bürgermeister:
Die Ressource zu Detmold, Detmold, 1954
Kittel, Ingeborg, Staatsarchivsamtsrätin a.D.:
Auszug aus der Eigentümerkartei des Gebäudeverzeichnisses für Detmold, Allee 11
Krohn, Prof. Dr. August:
Krohn´sche Familiennachrichten, Saarbrücken, 1903
Müller, Gerhard:
Beschreibung der Ressource zum Tag des offenen Denkmals am 19.09.2000, Detmold, 2000
Ostmann, Dr. Bernhard:
Interview
Prieur-Pohl, Prof. Dr. Jutta, Ltd. Staatsarchivsdirektorin:
Interview
Ruppert, Dr. Andreas, Historiker:
Interview
Staatsarchiv:
Schreiben des Nordrhein-Westfälischen Staatsarchivs Detmold vom 30.06.1998
Staatsarchiv:
Einblick in die historischen Unterlagen der Ressource zu Detmold

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